Reiseberichte

Chile

Soloreise Christina

31.10.2014 – 29.11.2014

Sprachschule: Escuela Bellavista

Besteigung: Vulcán Villarrica

MTB Tour: NP „Vicente Pérez Rosales“

Hiking: „W Circuit“ Torres del Paine

 

 

 

 

Das Land

Chile befindet sich an der Westküste Südameriaks. Nachbarländer sind Argentinien, Bolivien und Peru. Es ist mit etwas über 4.200km Länge ein sehr langes, und mit durchschnittlich 180km Breite ein sehr schmales Land. Die Hauptstadt ist Santiago de Chile. Die Amtssprach ist Spanisch. Bezahlt wird mit Chilenischen Pesos. Da sich das Land über so viele Längengrade erstreckt, hat es sehr viel an verschiedener Vegetation zu bieten. Von der Atacama Wüste im Norden, über das mediterane Klima der Hauptstadt bis hin zur rauhen Landschaft Patagoniens im Süden Chiles. Mit über 2.000 Vulkanen, darunter viele, die noch aktiv sind, den Anden angrenzent im Osten, einer insgesamt über 6.000km langen Pazifikküste und vielen interessanten Inseln, wie die Osterinsel, findet wirklich jeder einen Grund nach Chile zu reisen.

Kurzbeschreibung

Sprachschule in Santiago

La Escuela Bellavista

 

Polola-Loca_Chile_2014 (1)Im schönen Stadtviertel „El barrio“ Bellavista wird man von einem strahlend blauem nicht unbedingt als Schulgebäude erkennbarem Haus erwartet. Je nach Sprachniveau wird man auf kleine, bereits bestehende Gruppen aufgeteilt. Das Level wird durch einen zuvor im Internet ausgefülltem schriftlichen Test und vor Ort durch eine etwa 15 bis 20 minütige mündliche Kommunikation mit einem der Lehrer festgestellt. Die Gruppen werden klein gehalten. Nach zwei Schulstunden (jeweils 45 Minuten) gibt es eine Pause mit einem Lehererwechsel. Die Lehrer sind freundlich und zumeist gebürtige Chilenen. Gesprochen wird nur Spanisch oder je nach Lehrer etwas Englisch zur Unterstützung. Die Klassenräume sind gemütlich klein. Der Holzboden und die Holzfensterklappen verleihen einem das Gefühl willkommen zu sein. Freies WLAN ist im gesamten Schulgebäude verfügbar. Der aktuelle Stundenplan mit Angabe des Lehrers und des Klassenraums hängt immer sowohl im ersten als auch im obersten Stockwerk im Aufenthaltsraum für alle Schüler sichtbar aus. Am Nachmittag werden auch Privatstunden angeboten. Das Thema ist hier vom Schüler frei wählbar. Die Lehrer gehen hier je nach Wunsch auf Verbesserung der Grammatik oder des Sprachgebrauchs ein.

Vulkanbesteigung in Púcon

El Vulcán Villarrica

 

Polola-Loca_Chile_2014 (14)Südlich des kleinen Ortes Púcon befindet sich einer der aktivsten Vulkane Chiles. Der Vulkan Villarrica mit seinen 2.840 Metern Höhe gehört zu den bekanntesten Touristenzielen in Chile. In den Sommermonaten finden regelmäßig geführte Touren bis zum Krater des Vulkans statt. Die benötigte Ausrüstung, wie ein Helm oder ein Daypack, wird von dem Veranstalter gestellt. Der Aufstieg dauert etwa 5 Stunden je nach Tempo der Gruppe. Der auch im Sommer mit Schnee bedeckte Vulkan kann dann zur Belohnung mit einem „Plastikschlitten“ hinunter gerauscht werden.

Wandern in Patagonien

El „W-circuit“ en el Parque National „Torres del Paine“

 

Polola-Loca_Chile_2014 (39)Der „W“ Trek ist eigentlich nur ein Teil des eher unbekannten „O“ Treks, auf dessen nörtlich sich schließendem Kreis man eher selten auf andere Wanderer trifft. Somit ist der „W“ Trek (4-6 Tage) eine abgespeckte Version des „O“ Treks (6-10 Tage).

Patagonien ist bekannt für seine schnellen Wetterumschwünge. Daher ist der chilenische Sommer (zwischen Oktober und März) die perfekte Zeit sich an den berühmten Wanderweg am Ende der Welt zu wagen.

Cämpingplätze auf dem „W“ Trek:

  • Refugio Chileno
  • Torres Camp Site
  • Refugio Cuernos
  • Camp Site Italiano
  • Camp Site Britanico
  • Refugio Paine Grande
  • Refugio Grey

Erfahrungsbericht

Fünf Tage habe ich für meine Wanderung eingeplant. Da ich leider nach zwei Wochen Sprachkurs in Santiago nur noch zwei weitere Wochen übrig habe um Chile auch ein wenig außerhalb der Großstadt kennen zu lernen und es von dort über 2.000km zu überwinden sind, begebe ich mich ab Puerto Mont in ein Flugzeug, welches mich, fast bis zum „Fin del mundo“ bis nach Punta Arenas fliegt. Eine Reise über Land hätte bedeutet über 30 Stunden in einem Bus zu sitzen. Da es keine Verbindung durch die Fjorde gibt, müsste man durch Argentinien fahren.

Von Punta Arenas geht es mit dem Bus nach Puerta Natales, die Stadt von der es Busfahrten bis zum Nationalpark gibt. Das Ticket für die Fahrt konnte ich an der Rezeption meines Hostels ergattern. Die notwendige Ausrüstung konnte ich in einem anderen Hostel gegen eine Gebühr und hinterlegte Kaution auf der Kreditkarte leihen. Dazu gehörten: ein Zelt, ein Schlafsack, eine Isomatte, ein Kocher, ein Topf, eine Gaskartusche und ein Teller sowie Besteck. Um sich überhaupt in dem Nationalpark aufhalten zu dürfen, muss man eine „Eintrittsgebühr“ leisten und sich zuvor einem „Aufklärungsfilm“ unterziehen, der aufklären soll, wie man sich in dem National Park zu verhalten hat. Man erhält jedoch auch eine Übersichtskarte vom Park, die ganz hilfreich sein kann, wenn man noch keine richtige besitzt.

Polola-Loca_Chile_2014 (37)Früh morgens komme ich an meinem Startpunkt. Das Hotel „Hosterìa las Torres“ an der Westseite es „W-Treks“ ist die Endstation der Busfahrt. Ein älteres australisches Pärchen lerne ich schon auf der Hinreise im Bus kennen. Die beiden möchten nur eine Tagestour zum Torres del Paine und zurück machen, was sich für die beiden im Nachhinein jedoch als ein ganz schöner Sprint herausstellt. Ich habe Zeit und begleite die beiden auf dem ersten Stück. So warm, wie ich mich angezogen hatte, konnte ich mich schon nach ein paar Metern erst einmal Stück für Stück wieder entkleiden. Meine Kamera begleitet mich außerhalb des Backpacks. Hängend um den Hals halte ich sie allzeit bereit in der rechten Hand zusammen mit dem Rucksackriemen, um ein ständiges hin und her baumeln zu vermeiden.

Polola-Loca_Chile_2014 (42)Kurz vor den drei riesigen, steilen und zackig zulaufenden Felswänden, dem ersten Ziel und die Hauptattraktion des Parks, wonach er ebenfalls benannt wurde, Polola-Loca_Chile_2014 (43)geht es noch einmal ein paar Höhenmeter hinauf über riesige Schotterhaufen hinweg. Am Seebett vor dem Torres del Paine angekommen, grüßt dann auch schon zum ersten Mal der berühmt berüchtigte patagonische Wind. Feine Sandkörner fliegen umher und machen die Sicht nur mit einer Sonnenbrille erträglich.

Bevor sich die Dunkelheit andeutet mache ich mich auf den Weg zurück und verbringe meine erste Nacht auf dem Campingplatz vom Refugio Chileno. Von dort geht es auch schon früh morgens wieder los.

Polola-Loca_Chile_2014 (44)Es nieselt. Ich ziehe mit meinem Cover bedeckten Backpack über die grüne, mit leuchtend türkiesen Seen überzogene Landschaft des rechten „W“ Zackens bis zum Campingplatz Italiano direkt in der Mitte des „W“s. Polola-Loca_Chile_2014 (45)Dort werde ich die nächste Nacht verbringen. Um die Mittelsäule des „W“ als Tagestour noch zu vollziehen, baue ich mein Zelt schon auf und lasse es samt meines Backpacks zurück. Nur mein kleiner „Daypack“ begleitet mich die nächsten Stunden.

Polola-Loca_Chile_2014 (49)So leicht, wie eine Feder, ohne Backpack, wander ich hinauf über Steinfelsen zu einem „Mirador“ bei dem man eine wunderschöne Aussicht auf hängende Gletscher hat. Immer mal wieder brechen gigantische Teile ab und rollen mit einem donnernden Lärm die Felskanten herunter. Polola-Loca_Chile_2014 (50)Den schönsten Rundumblick bietet jedoch dann zum Schluss die Felsenkette die über einem grünen Meer von Laubbäumen ragt. Die Torres del Paine Ansicht von „hinten“ sozusagen. Zurück zum Camp, wo ich mir wieder Spaghetti koche mit ein paar anderen Wanderern in einer kleinen Blechhütte, welche vom Campingplatz auch als Küche deklariert wird. Gut gestärkt und den Topf im Flussbett gewaschen, kann es dann ins Zelt gehen. Es muss sich schließlich ein erholsamer Schlaf für den nächsten Tag geholt werden, da es wieder früh los gehen wird.

Polola-Loca_Chile_2014 (51)Polola-Loca_Chile_2014 (52)Und nun wird auch schon das letzte Ziel der Reise in Angriff genommen. Der „Glacier Grey“ ist ein Gletscher, welcher in einen See mündet. Durch ihn treiben Eisberge im See umher. Mein eigentliches Vorhaben wäre es gewesen einmal durch diese Eisberglandschaft mit dem Seekayak zu paddeln. Leider machte dieses Vorhaben der patagonische Wind zunichte. Auf dem Weg dort hin gelange ich durch einen ziemlich stark abgebranntes Stück Wald. Die Bäume sehen alle noch total verkohlt aus, doch der Waldboden hat sich von den Strapazen schon recht gut erholt und Gras ist über die Sache gewachsen.

Polola-Loca_Chile_2014 (56)Am Refugio Grey angekommen, baue ich als erstes wieder mein Zelt auf, um mich dann zum „Big Foot“ Veranstalter direkt am Wasser, nicht weit vom Gletscher, zu begeben. Dort wird mir dann mitgeteilt, dass es unmöglich sei an diesem Tag paddeln zu gehen. Da die Jungs jedoch auch begeisterte Paddler sind begebe ich mich ein Weilchen in ihre Gesellschaft und versuche mich mit meinem gebrochenen Spanisch mit ihnen zu unterhalten. Wir schauen uns Paddelvideos an und haben Spaß, während der Wind sich draußen austobt.Polola-Loca_Chile_2014 (58)

Am Abend laufe ich noch schnell, mal wieder ohne Backpack, hoch zu mehreren Aussichtspunkten von denen man den Gletscher aus nächster Nähe betrachten kann. Kurz vor der Dunkelheit gelange ich auch wieder zurück zu meinem Zelt und werde die Nacht ordentlich durchgeschüttelt.

Am nächsten Tag ist der Wind leider auch nicht schwächer. Ich verliere sogar ohne es zu bemerken meine Sonnenbrille, welche ich vor vier Jahren in Australien gekauft habe. Ich mache mich noch einmal auf den Weg zu den Jungs von „Big Foot“. Polola-Loca_Chile_2014 (65)Da es leider immer noch nicht klappt mit dem kayaking, wollen die Jungs mit mir einen kleinen Abstecher mit einem Motorboot zum Gletscher machen, damit ich den Gletscher wenigstens noch einmal vom Wasser aus zu Gesicht bekomme.

Aus Nächster Nähe präsentiert sich der Gletscher gigantisch. Auf den riesigen Felsbrocken über die er einst gezogen ist, hat er tiefe Rinnen hinterlassen. Die verschiedenen zusammengepressten Schichten der Felsen variieren in Ihrer Farbe vom glänzenden gold-gelb bis ins tiefste schwarz. Polola-Loca_Chile_2014 (62)Die Jungs zeigen mir in einer Pfütze ganz feine goldige Körner, welche aussehen wie Gold. Ob es das ist, können sie mir auch nicht sagen. „Tal vez es oro“ sagen sie nur mit ausgestreckten Finger. Die Fahrt war schön. Zurück auf dem Festland hört man das Klingen der Eisschollen die nahe des Ufers auf der Wasseroberfläche treiben. Ich gebe die Schwimmweste und die Sonnenbrille, die mir die Jungs zuvor geliehen haben, zurück und mache mich auf den Weg mein Zelt einzupacken und wieder loszumarschieren.

Der Wind schiebt mich von rechts nach links. Da ich meinen Schlafsack außerhalb des Rucksacks angebracht habe, was nicht die schlaueste Idee war, hat der Wind natürlich sehr viel Angriffsfläche. So torkel ich nun durch die Landschaft umher und gelange nach etwa 2 1/2 Stunden zum Refugio Paine Grande. Der Wind macht es mir ebenfalls nicht einfach mein Zelt für die Nacht aufzubauen. Polola-Loca_Chile_2014 (54)Zum Glück ist ein Chilene so freundlich und packt mit an. Es ist ziemlich viel los hier „Am Ende der Welt“. Auf der Wiese stechen einem zahlreiche orange und gelbe kleine Hügel ins Auge. Zelt an Zelt hat sich eine kleine Zeltsiedlung gebildet.

Am nächsten Tag geht es mit dem Katamaran über den See Lago Pehoé. Aufgrund des Sturmes verspätet sich die Fähre enorm und die Busse sind bereits abgereist. Es steht eine lange, endlose Warterei in einer kleinen Hütte bevor. In dieser haben sich alle Touristen hineingezwängt um dem sandigen Wind zu entkommen. Ständig springen die Alarmanlagen von den draußen stehenden Autos an, da der Wind so häftig an ihnen rüttelt. Der Wind kämmt über den See und peitscht mit dem spritzendem Wasser an die Fensterscheibe der Hütte. Das Holz knatscht und der Wind pfeift ums Gebäude.

Polola-Loca_Chile_2014 (74)Jeder, der sich draußen aufhält, kämpft um auf beiden Beinen zu bleiben. Mit einer Sonnenbrille auf der Nase, dem Arm quer vor dem Gesicht und zumeist noch einem Tuch bis über die Nasespitze gezogen geht es vorwärts gegen den Wind. Manchmal löst sich der feste Stand und die Füße machen sich selbstständig auf dem Schotter.

Der Bus bringt mich zurück nach Puerta Natales. Dort übernachte ich noch einmal in dem selben Hostel, wie auf meiner Hinreise. Ich gebe alle geliehenen Sachen zurück und zum Abschluss meiner Reise gehe ich dann noch mit zwei Chilenen zum ersten mal Outdoorklettern an einer Felswand.

Am nächsten Tag geht es dann auch wieder mit dem Flugzeug von Punta Arenas zurück nach Santiago, wo ich leider nur noch einen Tag zum ausklingen habe um dann die Heimreise über Sau Paulo und Amsterdam nach Düsseldorf anzutreten.