Radfahren,  Reiseberichte

Emsradweg

17.07.2026, 1. Tag:

Rheda-Wiedenbrück – Telgte: 62,6km/ 120hm

Campingplatz Sonnenwiese: 13€ pro Person

Unsere total spontane Idee den Emsradweg zu fahren, beginnt damit, dass Sabine nachmittags gegen 13 Uhr mal wieder mit bepacktem Fahrrad bei mir vor der Tür steht. Das ist nicht das erste mal, dass wir dieses Jahr mit den Fahrrädern losziehen, aber das erste mal zu zweit. Wir starten, wie sollte es anders sein, mal wieder damit ein Startfoto auf unserer Mauer im Garten zu machen. Danach rollen wir langsam los. Schlangenförmig führt der Emsradweg immer links und rechts der Ems entlang.

Wir sind begeistert, wie schön doch der Weg ist und das Wetter ist zum Glück auch nicht zu heiß, wie erst befürchtet. Christina hat die Tour wieder mit Komoot kurzfristig geplant und per E-Mail alle Unterkünfte angefragt. Auf dem Campingplatz Sonnenwiese in Telgte angekommen, sind die Zelte schnell aufgebaut. Sabine hat einen Tag vor der Tour noch ein Zelt geschenkt bekommen, daher kann ich wieder mein eigenes nutzen. 13 Euro pro Person kostet uns hier die Übernachtung. Wir haben einen überdachten Tisch mit zwei Bänken und kochen uns dort heute Spaghetti mit Basilikumpesto. Die eh schon fast leere Gaskartusche kann danach dann auch schon weg. Weniger Ballast für die Fahrt. Wir gehen duschen, erkunden noch etwas den Platz, schauen uns den Sonnenuntergang an, der heute laut Chat CPT ausfällt und kuscheln uns dann in unser Gemach.

 

18.07.2026, 2. Tag:

Telgte – Rheine: 71,1km/ 230hm

Wassersportverein Rheine 1932 e.V.: 10€ pro Person

Ich habe gut geschlafen. Seitdem ich kein Cortison mehr nehme und auf Antibiotikum bin, ist es doch deutlich angenehmer zu zelten.

Nach dem leckeren Frühstücksporridge mit frischem Apfel werfen wir unseren Schlüssel in den uns gestern gezeigten Raum ein und radeln gemütlich los. In Greven steuern wir noch einen Tedi für Sabine und einen K+K für mich an. An einem Biergarten machen wir halt. Für mich ist es ein teurer Halt, da der halbe Liter Apfelschorle mit 5,70 € zu Buche schlägt.

Danach radeln wir gemütlich weiter. Das Wetter ist angenehm und die Sonne kommt immer wieder raus. Unterwegs stoßen wir auf ein Reitturnier. Wir bleiben für eine Weile stehen und sehen dem Spektakel zu. Gegen 17 Uhr kommen wir dann endlich beim Wassersportverein Rheine 1932 e.V. an und werden freundlich von dort mit Wohnwagen campenden Leuten empfangen. Wir bekommen sofort den Schlüssel für das Vereinsheim und werden kurz eingewiesen. Unsere Zelte schlagen wir direkt an der Hecke nahe des Wassers auf. Es sind noch andere Gäste auf dem Gelände. 4 Männer paddeln mit ihren Kindern eine Mehrtagestour. Die haben sich auf der anderen Seite der Hecke platziert.

Es ist zum Abend nochmal richtig schön. Wir Essen picknickhaft Brot mit Avocadocreme, Eiern und Gurke auf einer Decke zwischen unseren Zelten. Im Vereinsheim nebenan ist eine Veranstaltung. Die Nacht wird daher leider etwas lauter.

 

19.07.2026, 3. Tag:

Rheine – Meppen: 78,2km/ 170hm

Wassersportverein Meppen e.V.: 10€ pro Person

Es ist mittlerweile 2 Uhr Nachts und im Club nebenan dröhnen die Boxen. Ich hatte dennoch eine gute Nacht und bin froh, dass wir wieder so schön zelten können. Wir sitzen noch mit den beiden ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern zusammen an deren Tisch und essen Frühstück. Sabine bekommt noch einen Kaffee. Wir erfahren viel über das Vereinsleben, den Rennsport, der hier betrieben wird und über deren persönliches Leben. Für 10€, da Sabine ja nun auch im DKV ist 😉 bekommen wir die Nacht bezahlt und verabschieden uns freundlich.

Die Tour ist heute recht anstrengend mit viel Gegenwind. Wir vertrödeln ein bisschen Zeit mit Faxen und lachen uns einfach schlapp. An einem Rastplatz finden wir den passenden Song für unsere Tour: „Fahrrad fahren“ von Max Raabe. Wir stoßen auch auf ein Emsprojekt, wo jemand einen bestimmten Abschnitt der Ems nachgebildet hat. 5Km vor Ziel an einem Bauernkiosk, rufe ich den Harald, den Vereinsvorstand an und teile mit, dass wir gleich ankommen.

Gegen 18 Uhr kommen wir dann in Meppen an. Eine hohe Fußgängerbrücke für die große Schifffahrt mit Treppen trennt uns noch von dem Vereinsheim. Wir tragen unsere Räder die Treppen hoch und wieder runter und kommen endlich an am Wassersportverein Meppen e.V. Wir werden sofort empfangen und eingewiesen und können unsere Zelte aufschlagen. Ein paar Ruderer sind ebenfalls für die Nacht angekommen. Sie schlafen heute alle in Betten im Vereinshaus.

Oben über dem Vereinshaus gibt es ein schönes Restaurant, das „Bootshaus“, wo wir heute, Sabine barfuß, essen gehen. Auf dem Balkon mit Blick auf unsere Zelte lassen wir uns Rippchen und Hähnchen Ratatouille servieren. Wir bekommen sogar Decken und lassen es uns gut gehen. Der Wirt ist homosexuell und ist super cool drauf. Wir haben viel Spaß und Quatschen noch lange an der Theke, als es ums Bezahlen ging. Sabine hat noch zwei Schnäpse, meinen gleich mit, abgestaubt und wir verabschieden uns freundlich. Unten im Pavillon, wo es rund um Kisten mit Getränken zur Selbstbedienung gibt (1€ pro Getränk), treffen wir noch einmal auf die zwei Männer, die eine Mehrtages Rudertour machen. Morgen geht es für die die Hase rauf. Sie erklären uns Unterschiede zum Paddeln und witzeln herum. Der Trainer, der Sabine gut gefällt, ist auch homosexuell und erzählt offen über seine Partnerschaft und sein Leben. Es ist schon dunkel, als wir in unsere Zelte krabbeln.

 

20.07.2026, 4. Tag:

Meppen – Steinbild: 43,8km/ 120hm

Campingplatz Cremering: 12,50€ pro Person

Heute konnten wir ausschlafen. Gemütlich und ohne Zeitdruck genießen wir den Vormittag im Wassersportverein. Sehr interessiert schauen wir auch noch zu, wie die Rudergruppe ablegt. Der Lehrer weist alle ein und erklärt vieles, was es zu beachten gibt.

Gegen Mittag sind die Räder gesattelt. Wieder mal mit starken Gegenwind, geht es weiter. Heute ist jedoch nur eine kurze Etappe geplant, weshalb wir uns sowieso schon so viel Zeit gelassen haben. In Lathen legen wir noch beim Lidl einen Einkaufsstop ein. Mit wieder voll befüllten Taschen geht es noch 8km weiter zum Campingplatz. Zunächst haben wir Schwierigkeiten jemanden dort anzutreffen. Wir klingeln am Wohnhaus. Ein Mann kommt heraus und zeigt uns die Zeltwiese, direkt gegenüber der Pferdewiese. Der Platz kostet 12,50€ pro Person. Wir haben einen Tisch mit Bänken und können an einer Strombox unsere Handys und Powerbank laden. Das Wetter ist schön.

Wir bauen unsere Zelte auf und gehen durch die Pferdewiese zur Ems. Nach einer Weile Überlegens, wo der Einstieg am Besten sein könnte, springen wir rein. Die Abkühlung tut gut.

Super idyllisch genießen wir noch den restlichen Nachmittag/Abend, essen und machen einen Spaziergang zum Hafen. Dort erhaschen wir noch ein Getränk in der Abendsonne und lassen es uns gut gehen.

 

21.07.2026, 5. Tag:

Steinbild – Emden: 92,4km/ 220hm

Emder Kanu-Club e.V. 1975: 7,50€ pro Person

Das Wetter ist schön. Wir frühstücken auf unserer Bank und packen alles in Ruhe zusammen.

Heute steht die längste Etappe der Tour an. Die Strecke ist bis Mitling richtig schön und super zu fahren. Wir kommen mitten durch Papenburg, sehen die Maierwerft. An einem kleinen Rastplatz legen wir noch eine Mittagspause ein bevor es wieder weiter geht. Danach haben wir leider starken Gegenwind. Wir fahren etwa 30 km am Damm entlang und passieren zig Viehroste zwischen den ganzen Schafsweiden. In Ditzum wurde der Wind weniger.

Von dort aus, fahren wir mit der Fähre auf die andere Uferseide der Ems und entlang des Dollards. Glücklich und zufrieden erreichen wir unser Ziel, den Ende des Emsradwegs. Wir machen Fotos vor einem Schild, welches davon zeugt und lernen zwei Männer kennen, die gerade ebenfalls mit ihren E-Bikes angekommen sind. Sie kommen aus Ahlen und Neubeckum. Sie machen Fotos von uns, wir quatschen ein wenig und dann verabschieden wir uns freundlich und fahren rein in die Stadt zu einem chinesischen Restaurant und hauen uns die Wampe voll.

Nach fast 93km kommen wir dann am idyllisch gelegenen Emder Kanuclub an. Hier sieht alles schon sehr holländisch aus. Die, mit der ich vorher schon Kontakt aufgenommen hatte, hat mir Fotos von dem versteckten Schlüsseltresor geschickt und alles weitere in der E-Mail erklärt. Hier läuft es auf Vertrauensbasis. Es sind noch andere Gäste dort auf dem Gelände. Wir bauen heute jedoch spontan nicht mehr unsere Zelte auf, sondern schmeißen unsere Isomatten auf den Boden im Clubraum im Dachgeschoss. Der Boden ist etwas dreckig, was uns nicht stört. Wir bedienen uns des Komforts halber an den in der Ecke gestapelten Sitzkissen und machen es uns bequem. In der Nacht belästigen uns jedoch einige Mücken.

 

22.07.2026, 6 Tag:

Emden – Leer: 35,5km/ 70hm

Es geht früh raus, Taschen packen und frühstücken.

Das Geld schmeißen wir mit unseren Anmeldedaten in einen Briefumschlag und werfen ihn in den dafür vorgesehenen Briefkasten ein. Dann radeln wir los Richtung Leer. Dieses mal fahren wir die andere Seite der Ems entlang. Da wir die komplette Fahr Rückenwind haben, fliegen wir nur so nach Leer. Dort angekommen haben wir noch Zeit uns gönnen uns ein zweites Frühstück bei einem Bäcker. Ich buche das Zugticket online und im Bahnhof ziehen wir dann noch Tickets für unsere Fahrräder. Pro Person zahlen wir für die komplette Rückfahrt mit Umstieg in Münster 39€.

Wir haben immer noch Zeit uns setzen uns daher am Bahnhof auch noch einmal in ein Café.

Beim Einstieg in den Zug treffen wir die Männer von gestern wieder. Ich zeige ihnen noch schnell, wie sie das Fahrradticket am Automaten bekommen und dann setzten wir uns in das gleiche Zugabteil. Wir haben sehr viel Spaß. Zwischenzeitig gesellt sich noch eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern dazu. Total nett. Es fühlt sich an, als ob wir uns schon alle lange kennen.

In Münster trennen sich unsere Wege. Wir steigen um und fahren weiter nach Rheda-Wiedenbrück. Überraschenderweise kommen wir pünktlich am Bahnhof an. Sabine begleitet mich noch ein Stück auf dem Nachhauseweg und wir verabschieden uns. Eine sehr schöne Tour mit tollen Unterkünften, einer Menge Spaß und Abenteuer geht leider schon wieder zu Ende.