Reiseberichte

Motorradtour bis in die Hohe Tatra

21.08.2021 – 29.08.2021

Ziel: Polen; Zakopane
Zwischenstop in der Sächsischen Schweiz und in Ausschwitz

Regensachen einpacken!

Pierwszy dzień: 21.08.2021, z Rheda do Königstein

Wir starten nachmittags mit unseren Motorrädern in Richtung Osten. Den Campingplatz haben wir kontaktiert und noch eine Betonröhre zum übernachten bekommen. Wir sind ganz froh, dass wir nicht in das Zelt müssen, da das Wetter eher mäßig angesagt ist. Nach 535 km und 6 1/2 Stunden Fahrt erreichen wir über Dresden den Campingplatz am Treidlerweg in Königstein. Die Fahrt war geprägt von ungemütlichem Wetter und immer wieder einsetzenden Regenschauern. Die Röhre in der wir schlafen ist nicht sehr groß, verfügt aber immerhin über eine Heizung. Im ca. 200m entfernten Restaurant gehen wir noch etwas essen und erholen uns dann von den Strapazen dieser doch recht großen Etappe, wenn man betrachtet, dass wir erst spät am Tag losgefahren sind.

Drugi dzień: 22.08.2021, z Königstein do Oświęcim

Früh morgens um 7:00 starten wir zu einer Wanderung. Eigentlich wollen wir bis zur Bastei, müssen aber auf dem Weg dorthin feststellen, dass das zeitlich zu knapp wird und wir dann an diesem Tag nicht mehr wirklich weiter fahren könnten. Außerdem regnet es weiterhin sehr viel. Unser Fahrtziel für heute ist Oświęcim und das Hostel Villa Old Tree ist bereits gebucht.

Die Fahrt ist ebenfalls nass und eine große Etappe von 540km. Aufgrund des Wetters entscheiden wir uns für den schnellsten Weg über die Autobahn. Für die Einreise in Polen wird ein negativer Coronatest benötigt. In Görlitz verlassen wir die Autobahn und fahren zu einem Testzentrum, welches an diesem Tag geöffnet hat. Mit dem Test steht der Weiterfahrt nichts mehr im Wege.

Nach einer erneut nassen Etappe erreichen wir um 20 vor 8 erschöpft das Hostel. Wir tragen unsere Sachen hinein und kochen noch etwas. Anschließend geht es schlafen.

Dzień trzeci: 23.08.2021: Obóz koncentracyjnyw Oświęcimiu

Die Nacht im Old Tree ist angenehmen und wir versuchen eine weitere zu buchen. Leider ist das nicht möglich, da bereits alle Zimmer belegt sind. Da wir uns das Museum um das ehemalige Konzentrationslager ansehen wollen, wäre es angenehm, wenn wir zumindest unser Gepäck verstauen könnten, doch auch das ist leider nicht möglich. Wir buchen eine Unterkunft in der Nähe und bekommen bestätigt, dass wir ein Zelt reserviert haben. Als wir dort anrufen haben wir die Möglichkeit für einen kleinen Aufschlag stattdessen ein Zimmer in einer Gartenhütte zu bekommen, welches ausreichend komfortabel, trocken und vor Allem dazu geeignet ist, unser Gepäck sicher zu verstauen. Dankend nehmen wir an.

Nachdem wir das Zimmer bezogen haben, machen wir uns auf den Weg zum Museum. Die Geschichte dieses Ortes wiegt schwer und man kommt nicht umher in eine bedrückte Stimmung zu verfallen. Unglaublich und unmenschlich sind die Dinge, die hier während des Nazi-Regimes und der Judenverfolgung passiert sind. Bereits direkt nach der Befreiung ist das Lager konserviert worden und wurde zu einem Mahnmal aufgearbeitet. Trotz der menschlichen Abgründe in die man hier schaut oder gerade deswegen, ist der Besuch des Museums unbedingt zu empfehlen. Je mehr Menschen diesen Ort sehen und das hier geschehene nicht verdrängen, sondern als Mahnung in Erinnerung behalten, desto größer ist die Chance, dass so etwas nicht noch einmal passiert.

Czwarty dzień: 24.08.2021, z Oświęcim do Zakopane

Diesen Tag nutzen wir komplett für die Fahrt nach Zakopane. Wie immer regnet es und unsere morgens ohnehin noch feuchten Motorradklamotten werden erneut durchnässt. Wieder nutzen wir die Autobahn, da eine Fahrt über Land bei so einem Wetter keinen Spaß macht. Nach 127 km erreichen wir unsere Unterkunft in Zakopane, die wir für 3 Nächte gebucht haben. Wir erkundschaften den Ort im strömenden Regen. Da kam uns ein Verkaufsstand mit Regenschirmen gerade gelegen. Johannes greift zu und auch nur kurze Zeit später alarmieren uns unsere Handys sogar über eine Überflutungsgefahr für Zakopane. Schnell informieren wir uns noch über eine Busfahrt in die Hohe Tatra und treten den Rückweg zu unserer Unterkunft mit dem kreativen Namen „Zakopane Stop“ an.

Piąty dzień: 25.08.2021, Wędrówka po Tatrach Wysokich

Am nächsten Morgen machen wir uns früh mit dem Bus von Zakopane Innenstadt auf in die Hohe Tatra. Unsere Endstation ist der Parkplatz Bialczanska. Von dort aus erklimmen wir die 2000er Berge. Zunächst in einer Traube von Touristen, pilgern wir die Straße rauf. Die weite Sicht durch die Wälder ist schön, jedoch auch traurig, da natürlich auch hier der Klimawandel zu spüren ist. Abgestorbene, teilweise mittig abgebrochene Bäume prägen das Panorama. Es geht einen kleinen Weg ab von der Straße und immer Berg auf. Gut ausgebaute Stufen führen uns immer höher. Jedoch ist es so nebelig, dass wir um uns herum kaum etwas erkennen können.

Es wird immer einsamer und schließlich sind wir für eine Weile auch ganz allein. Als wir die erste Ebene erreichen, wird es zum ersten mal während unseren Urlaubs sonnig und der Nebel verschwindet. Wir erreichen eine Wegkreuzung. Plötzlich tauchen wieder zig Leute um uns herum auf. Wir entscheiden uns den Rundweg zur Seilbahn zu schließen. Unerwartet befinden wir uns dabei plötzlich auf einem längeren Stück Steilwand an der zwar überall Ketten befestigt sind, aber wir wissen nicht, wie lange dieser Weg so aussehen wird.

Als uns irgendwann ein deutscher Junge mit seinem Vater entgegen kommt, der begeistert zu seinem Vater ruft, schau mal hier sind Ketten, wissen wir, dass es die letzten in dieser Richtung gewesen sein müssen. Nach 16 km und 1500 Höhenmeter erreichen wir schließlich die Seilbahnstation, die uns wieder heile herunter bringt. Es ist so voll, dass wir Schlange stehen müssen und zum ersten mal durchgeschwitzt die Kälte zu spüren bekommen.

Szósty dzień: 26.08.2021, Wędrówka po Tatrach Wysokich

Heute geht es noch einmal wandern. Leider nicht bei so schönem Wetter, wie gestern. Immerhin schaffen wir auch heute 17 km und 1700 Höhenmeter und sind den ganzen Tag ziemlich alleine. Runter geht es wieder mit der Seilbahn. Da wir mehr Zeit eingeplant hatten, als wir tatsächlich gebraucht haben, sind wir entsprechend früh wieder zurück in Zakopane.

Siódmy dzień: 27.08.2021, z Zakopane do Lubán

Wir machen uns auf den Rückweg. 595 km sollen es heute für uns werden. Da es leider in dem Moment wieder anfängt zu Regnen, als wir uns gerade wieder auf unsere Motorräder setzen wollen, werfen wir unseren Plan schöne Landstraßen zu fahren, schon nach kurzer Zeit wieder über den Haufen und nehmen den schnelleren Weg über die Autobahn. Ab nachmittags machen wir uns bei einem Tankstop auf die Suche nach einer Unterkunft und werden fündig. Das Hotel Teczowa in Lubán.

Dieses Hotel soll sich als eine neue lustige Erfahrung erweisen. Es stellt sich heraus, dass sich das Hotel über einem Nachtclub befindet. Der Club Paradise. Auf dem ersten Blick ist das Hotel scheinbar luxuriös und kitschig eingerichtet. Doch schon der Gang durch den schmalen eher dunklen Flur verrät, dass offensichtlich viele Clubgäste hier auch die Nacht verbringen und dementsprechend der Teppich und die Wände schon schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Beim ersten Kontakt z.B. mit unserem Bett oder dem Badewannenhahn fielen diese auseinander. Die Nacht hindurch wurden wir von lauter Partymusik wachgehalten und auch dem ein oder anderem Gepolter im Flur.

ósmy dzień: 28.08.2021, z Lubán do Königstein

Das Essen im Hotel hat uns erfreulicherweise überzeugt. Auch das Frühstück ist hervorragend. Wir packen unsere Sachen und machen uns früh auf den Weg zurück nach Deutschland. Zur Abreise hängen wir den Wasserhahn und die meisten Latten des Bettes wieder vorsichtig dorthin wo wir sie vorgefunden haben und verlassen das Zimmer.

Da wir auf dem Hinweg unsere Coronatests nicht vorzeigen mussten, versuchen wir es dieses mal ohne Umstände über die Grenze zu kommen. Das liegt unter anderem daran, dass es in Polen scheinbar kein Corona mehr gibt und daher auch keine Teststationen aufzufinden sind.

Wir wollen noch einmal einen Versuch starten in der Sächsischen Schweiz zu wandern. Das Hotel Neue Schänke in Königstein gewährt uns nach 133 km Fahrt eine Unterkunft und lässt unsere Motorräder sogar sicher in deren Privatgarage unterkommen. Danach machen wir uns direkt auf den Weg und nutzen die kurze Trockenphase um mit der Fähre über die Elbe zu kommen und hinauf in die Bastei zu wandern. Christina war 2013 schon einmal hier und erinnert sich. Das Highlight, die Basteibrücke ist immer wieder einen Besuch wert. Abends speisen wir im Gasthof und gehen zufrieden zu Bett.

Dziewiąty dzień: 29.08.2021, z Königstein do Rheda

551 km treibt es uns in strömenden Regen über die A2 zurück nach Hause. Was für eine Tour. Wir hatten nicht eine trockene Fahrt während unserer gesamten Tour. Triefend nass kommen wir zu Hause an. Das Wasser lief uns während der Fahrt nur so den Rücken in der Kombi herunter und nahm seinen Lauf weiter durch die Unterhose bis in die Stiefel. Mehrere Stopps waren nötig um die Stiefel auszuleeren. Zu Hause nutzen wir unser Badezimmer als Trockenkammer. Die Kombis finden ihren Platz über der Badewanne und brauchen eine Woche zum trocknen.

Christinas Kombi ist selbst dann noch im Schrank später verschimmelt. Nun muss wohl eine neue Kombi her.