Radfahren,  Reiseberichte

Industriekulturradweg

13.05.2026, 1. Tag:

Rheda-Wiedenbrück – Hamm: 48,3km/ 170hm

Morgens kommt Sabine bei strahlendem Sonnenschein zu mir und wir fahren nach unserem Startfoto sofort weiter, auf in die erste Etappe zum Industriekulturradweg. Der Regen lässt nicht lange auf sich warten. Tage zuvor hatten wir mehrfach überlegt, ob wir die Tour verschieben sollten. Da wir jedoch keinen Ausweichtermin gefunden haben und wir nicht aus Zucker sind, haben wir es bei der Planung belassen. Zwischendurch haben wir immer wieder heftige Regengüsse, die wir teilweise irgendwo untergestellt ab wettern, denn auf jedes Schauer folgt wieder Sonnenschein. Wir haben gute Laune und lassen uns von dem Wetter nicht beeindrucken. Christina navigiert solide mit ihrer selbst geplanten Komoot-Route. Die Strecke ist gut ausgebaut und Mitten im Grünen. Teilweise folgen wir dem Werseradweg. So macht es Spaß die knapp 3 Stunden unterwegs zu sein.

Gegen 16 Uhr sind wir mit jemandem vom WSV Hamm 1930 e.V. verabredet, der uns bereits untergestellt am nicht mehr bezogenen Nachbarvereinsgebäude mit seinem Fahrrad begrüßt. Da die Feuerwehr noch nicht mit ihrer Wasserrettungseinsatzübung fertig ist, plaudern wir noch ein wenig mit noch dazukommenden Vereinsmitgliedern. Später haben wir noch richtig Spaß mit denen im Clubraum. Es wird Glühwein aufgesetzt, der im Topf verbrennt, wir dürfen auf den Heizungen unsere nassen Schuhe und Socken trocknen und können auch hier drinnen unser Lager aufschlagen und die Nacht verbringen. Tolle Gespräche mit tolle Menschen. Wir erfahren viel über den Verein und wie wenig Mitglieder es nur noch sind. Schön ist es auch, endlich warm zu werden. Um 18:30 Uhr trifft Johannes mit Trixie und seinem total mit Schlamm zugedrecktem Fahrrad ein. Er stellt auch erst einmal alles im Bootslager ab und erkundet die Lage. Zum Essen zieht es uns nicht weit entfernt ins R-Café. Das Ambiente ist toll, das Essen ist lecker, der Service ist klasse und die Preise in Ordnung. Vor dem Café ist schon alles für das 800 Jahre Stadtfest aufgebaut. Wir gehen zurück zum Vereinhaus und schlafen dort im Clubraum mit den zwei Gasheizungen auf voller Stufe.

 

14.05.2026, 2. Tag:

Hamm – Gelsenkirchen: 71,6km/ 260hm

Früh morgens trifft Haggy ein. Er ist von Aachen mit dem Auto gekommen.

Wir starten gleich unsere Tour. Bis auf wenige Ausnahmen schüttet es den ganzen Tag. Sehr unangenehm. Sabine und Christina haben den ganzen Tag nasse, kalte Füße. Die Halden lassen wir aus, um damit Strecke und Höhenmeter zu sparen. Sehr schade, aber bei der Kälte macht das auch keine Freude. Wir stellen uns einige male unter einer Autobrücke unter. Es schüttet nur so aus Eimern und die Pfützen werden immer größer. Unsere Stimmung ist dennoch nicht im Keller. Heute ist Vatertag und wir treffen auch hin und wieder auf ein paar wenige Hartgesottene. In einem Biergarten mit lauter Schlagermusik lassen wir uns kurze Zeit nieder und schauen dem Treiben der dort hin verlaufenen Männer an. Es gewittert. Wir sehen zu, dass wir unser heutiges Ziel erreichen und schwingen uns wieder auf die Räder.

Auch heute werden wir wieder bei einem Kanuverein übernachten. Christina hat vorab alles geplant und angefragt. Kurz vor der Ankunft telefoniert sie noch mit einer vom Verein, die uns hereinlassen wird. Sie erwartet uns bereits und hat Mitleid. Wir dürfen daher auch hier wieder unser Lager im Vereinsheim aufschlagen und unsere Fahrräder sogar mit dem Wasserschlauch sauber machen. Es ist ein Gerödel. Da uns so kalt ist, duschen wir erst einmal alle warm. Wir rufen noch einmal die Frau vom Verein an und fragen, ob wir die Heizungen anmachen können, da beim Aufdrehen nichts passiert. Sie kommt extra noch einmal mit dem Auto zurück und macht uns die Heizung an. Christina versteckt dabei Trixie im Fahrradkorb im Duschraum, da sie nicht weiß, ob es überhaupt erlaubt ist, hier einen Hund mit in das Vereinsheim zu nehmen. Die Frau ist so nett. Sie gibt uns sogar ihre und noch andere Paddelschuhe, damit wir mit trockenen Füßen zu Fuß zum Stadthafen gehen können. Wir nehmen das Angebot an und latschen frisch geduscht mit übereinander geschichteten Klamotten und Paddelschuhen 1,5km zum Purino. Ein sehr nettes Restaurant. Wir essen gemeinsam und gehen danach zurück zu unser Schlafgemach. Wir breiten uns im gesamten Vereinshaus aus. Haggey schläft im Tanzsaal, Sabine hat sich in dem Kinderspielraum eingezeckt und Johannes und Christina schlafen mit Trixie im Esszimmer neben dem Kicker.

 

15.05.2026, 3. Tag:

Gelsenkirchen – Duisburg/Meiderich: 82km/ 350hm

Wir wachen mit Wecker klingeln bei Sonnenschein auf und frühstücken gemeinsam im Esszimmer auf einer Eckbank. Nachdem wir versucht haben alles sauber zu hinterlassen und noch ein Abschiedsfoto vorm Vereinshaus gemacht haben, treten wir wieder in unsere Pedalen. Wir sehen die Zeche Zollverein, fahren über die Halde Schurenbach. wo wir einen kleinen Zwischenstop einlegen mit Drohnenflug und kommen an der monumentalen Stahlskulptur die „Bramme für das Ruhrgebiet“ eine 15 Meter hohe Skulptur aus Walzstahl, die von dem amerikanischen Bildhauer Richard Serra entworfen wurde, vorbei. Auch an dem Tetraeder kommen wir vorbei. Keine vier Wochen ist es her, als wir das letzte Mal hier waren – Der Mammutmarsch im Ruhrgebiet Ende April bei dem wir vier 42km gelaufen sind.

Entlang des Rhein-Herne-Kanals sehen wir noch das imposante Gasometer von Oberhausen. Angekommen am Rhein, fahren wir mit der Fähre für 3€ pro Person zum anderen Ufer. Haggy lädt uns ein. Dort angekommen begrüßt uns das idyllische Örtchen Orsoy. Wir fahren nach Süden, ein paar Kilometer den Deich entlang und über die Autobahnbrücke wieder zurück auf die andere Seite rein nach Duisburg. Am Landschaftspark Duisburg Nord passen wir perfekt eine Regenpause an einem Imbiss ab. Wir genießen Getränke und Pommes auf einer Bank unterm Schirm.. Danach kaufen wir im Lidl ein und rollen zu unserer heutigen Unterkunft dem 1. Meidericher Kanu-Club 1921 e.V. Dort schlagen wir zum ersten Mal auf dieser Tour unsere Zelte auf. Es ist gerade Kanu Polo Training auf dem Kanal. Sehr interessant war wir hier vom Vereinsleben erfahren. Direkt an unserer Zeltwiese haben wir eine tolle, überdachte Terrasse und der dort mit seiner argentinischen Frau lebende Bernhard besorgt uns sogar Verlängerungskabel, damit wir unsere Handys und Powerbanks laden können. Er bereichert uns noch mit einem längeren Gespräch bevor wir zu Bett gehen.

 

16.05.2026, 4. Tag:

Meiderich – Witten: 61,3km/ 240hm

Die heutige Tour startet mit viel Sonne. Wir frühstücken gemeinsam auf unserer Terrasse und packen in Ruhe alles zusammen. Heute geht es entlang der Ruhr. Zum Teil den Ruhrtalradweg anderes herum, als wir ihn Ostern gefahren sind. Christina hat schon direkt am frühen Morgen einen Platten, den die beiden Männer schnell reparieren. Zwischendurch haben wir auch wieder ein kleines Regenschauer, welches wir im Biergarten überbrücken. Wir erreichen unser Ziel, die Wittener Kanuslalom Gemeinschaft e.V., heute früh. Hier gibt es eine Gastwirtschaft direkt im Vereinsheim. Die Frau beobachtet uns vom weitem beim Zeltaufbauen und erzählt uns später ihre Geschichte. Die Männer fahren noch einmal los und kaufen Snacks und Getränke für den Abend. Sabine und Christina chillen solange und genießen ein wenig die Sonne. Wir haben ein wunderschönes Fleckchen für uns alleine umgeben von Hecken. Tische mit Sonnenschirm und Stühlen sind auch vorhanden. Wir essen unsere Snacks und haben einen lustigen Abend mit schönem Sonnenuntergang und Feuerwerk.

 

17.05.2026, 5. Tag:

Witten – Fröndenberg: 69,4km/ 460hm:

Das Wetter ist trüb am frühen Morgen. Die Männer essen zum Frühstück Wraps und Gulaschsuppe. Danach schaffen wir schaffen es relativ pünktlich aufzubrechen. Die Strecke ist abwechslungsreich. Das Wetter allerdings auch. Wir schauen uns die Kokerei Hansa an und fahren am Dortmunder Hafen lang. In Dortmund muss Haggy uns leider schon verlassen. Wir machen noch ein Foto am Dortmunder U und stoßen noch einmal an im Biercafé West. Dort ist es trubelig, denn es findet ein Trödelmarkt im Park statt. Nach der Pause trennen sich unsere Wege. Sabine, Johannes und Christina fahren nun mit Trixie alleine weiter.

Es geht entlang des Phönixsees über Holzwickede auf die andere Seite der Ruhr zum Kanu Club Menden e.V. Hier werden wir herzlich aufgenommen und bauen unsere Zelte auf die riesige Wiese neben einer Feuerstelle auf. Sofort bemerkt man im Gespräch mit dem Mann wieder die gemeinsamen Interessen und bekommt gute Empfehlungen. Wir gehen noch einmal lecker essen. Die Empfehlung hatte jedoch zu. Wir landen mitten in Fröndenberg bei einem freundlichen Griechen und fühlen uns sehr gut aufgehoben. Nach dem leckeren Essen bleiben wir noch lange sitzen und genießen ein paar alkoholfreie Cocktails. Auf dem Rückweg, fängt es leider wieder an zu regnen, doch die Zelte sind ja zum Glück schon aufgebaut. An Gesprächsstoff mangelt es uns heute Abend auch wieder überhaupt nicht.

 

18.05.2026, 6. Tag:

Fröndenberg – Rheda-Wiedenbrück: 85,7km/ 420hm

Auf dem Gelände bleiben wir mal wieder die einzigen Übernachtungsgäste.

Um 6 Uhr am Morgen fängt es wieder an zu regnen und es hört nicht auf. Wir schieben und schleppen wieder alles zum Packen in das Vereinsheim, duschen und essen nebenbei. Es geht in Richtung Heimat. Der Plan war ursprünglich anders aber wir drei wollen die Tour mit dem Rad beenden egal bei welchem Wetter. Das es heftig wird, ist uns klar. Damit wir die Runde auch wirklich beenden, fahren wir genau über Hamm. Dort befahren wir noch die Kissinger Halde und gehen zusammen die orangene Spirale hoch. Unser wirkliches Ziel.

Anstatt wie geplant den Bahnhof anzupeilen, fahren wir weiter bis nach Rheda-Wiedenbrück, den selben Weg zurück, den wir gekommen sind entlang der Werse. An einem kleinen Self-Service Kiosk mit einem Automaten machen wir eine kurze Pause, um festzustellen, dass Johannes der Kaffee aus dem Automaten überhaupt nicht schmeckt. Angekommen in Wiedenbrück, verabschieden wir uns von Sabine, die noch weiter bis Rietberg muss.